Welche Medien dominieren in der Pandemie - und was kommt danach?

Das COVID-19-Virus hat die Welt der Medien beeinflusst und verändert. Die Nutzung von Online-Plattformen hat zugenommen. Was aber bedeutet das für Printmedien?

Eine Studie der gemeinnützigen Organisation Two Sides und der Marktforscher von Toluna gibt Antworten: Danach würden es immerhin 43 Prozent bedauern, wenn gedruckte Tageszeitungen nicht mehr so präsent und breit verfügbar wären. Mit 33 Prozent zieht ein Drittel aller Befragten sowie mit 54 Prozent über die Hälfte der über 65-jährigen das Lesen von Zeitungen in gedruckter Form vor. Zudem bevorzugen 37 Prozent sämtlicher Teilnehmer gedruckte Zeitschriften, und 50 Prozent wollen Bücher lieber in klassischer Form lesen.

Es hat also nach wie vor seinen eigenen Reiz, die Zeitung auf dem Arbeitsweg unter den Arm zu klemmen oder an freien Tagen im Sessel zu lesen – etwas, das Smartphone, Tablet & Co. in dieser Form nicht bieten können.
Doch gibt es auch weitaus gewichtigere Argumente pro Print: So hat das Thema Homeschooling gezeigt, dass hier bei weitem nicht alle Menschen die gleichen – digitalen - Ausgangsvoraussetzungen haben. Tatsächlich sind vor allem die weniger privilegierten Mitglieder der Gesellschaft auf traditionelle gedruckte Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Rechnungen und Auszüge geradezu angewiesen. Eine komplett digitalisierte Gesellschaft würde derzeit viel zu viele Verlierer zurücklassen. Ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Bewohner ländlicher Gebiete und Menschen mit geringem Einkommen könnten dann endgültig den Anschluss verlieren.

Dazu kommt: 45 Prozent der Umfrageteilnehmer sind besorgt über einen möglichen negativen Einfluss elektronischer Geräte auf ihre Gesundheit, 43 Prozent möchten gerne insgesamt weniger Zeit mit solchen Geräten verbringen. Zudem ist erwiesen, dass Lesen in gedruckter Form eine bessere Informationsverarbeitung ermöglicht.

Nicht zuletzt geht es auch um Umweltfragen. Hier gilt: Papier ist von Natur aus nachhaltig, knapp drei Viertel des Holzes und 90 Prozent des Zellstoffs sind durch Akkreditierungssysteme wie FSC® und PEFC™ zertifiziert (Cepi, 2018). Die Fläche der europäischen Wälder ist in den letzten 15 Jahren täglich um eine Fläche von über 1.500 Fußballfeldern gewachsen (FAO, 2005 – 2020). Papier- und Druckerzeugnisse gehören mit 0,8 Prozent zu den geringsten Treibhausgasemittenten, während die IKT-Industrie für 2,5-3 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist (Belkhir L & Elmeligi A, 2018). Nicht zuletzt liegt die Papierrecyclingrate in Europa derzeit bei 72, bei Papierverpackungen sogar 84 Prozent (Cepi, 2019).

Werden alle Argumente berücksichtigt und abgewogen, ist die Konsequenz: Neben ‚digital‘ wird es immer auch ‚Print‘ geben, denn das eine kann das andere nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.


Veröffentlicht am 24.Juni 2021 um 12:00 Uhr

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