Therapie & Training: die wunderbare Welt des Lesens

Lesen hat viele positive Auswirkungen – es macht den Menschen nicht nur klüger, sondern es entspannt, fördert die Konzentration und sorgt auch sonst für ein gesundes Training der kognitiven Eigenschaften. Was genau Lesen alles bewirkt, lässt sich kompakt in sechs Punkten zusammenfassen.

 

1. Weg mit dem Stress

Wer konzentriert liest, taucht im besten Fall ein in eine andere Welt ein. Dieses fokussierte „Abschalten“ trägt zum Abbau von Alltagsspannungen bei und regeneriert. Das ist sogar amtlich: Der kognitive Neurobiologe Dr. David Lewis von der University of Sussex hat das Phänomen mit konkreten Zahlen unterlegt. Danach senken schon sechs Minuten Lesen das Stressniveau um ganze 68 Prozent, also mehr als zwei Drittel.                          

 

2. Training für die grauen Zellen

Der Positiveffekt des Lesens kann sich lebenslang auswirken: Hierdurch – wie auch durch vergleichbar stimulierende Tätigkeiten – kann der alterungsbedingte Abbau der kognitiven Fähigkeiten über die Lebensspanne um knapp ein Drittel verringert werden. Das wurde im Rahmen einer im Fachmagazin Neurology publizierten Studie eindeutig bewiesen.* Der Grund: Wer liest, erweitert permanent nicht nur sein Wissen, sondern auch den Wortschatz und vertieft Grammatikkenntnisse. Das Gehirn belohnt dieses Langstreckentraining mit einem höheren Fitnessgrad.

 

3. Die Bibliotherapie

„Bibliotherapie“ ist ein Fachbegriff, der die therapeutischen Effekte des Lesens beschreibt – Grund genug, dass diese Methode von immer mehr Psychologen empfohlen wird. Das funktioniert auf zweierlei Art: zum einen aufgrund der beschriebenen Auswirkungen, zum anderen aber auch wegen der „Pufferwirkung“, die Gelesenes im Hinblick auf eigene Leiden und Unsicherheiten hat.

 

4. Aktive Anteilnahme

Lesen regt auch die (sozialen) Gefühle an. Die entsprechende Belletristik ergänzt unsere Erfahrungen durch die anderer und beeinflusst unsere mentalen Einstellungen und Emotionen. Wer Fiktionales liest, versetzt sich in andere (Menschen und Situationen) und entwickelt eine höhere Empathie-Fähigkeit.

 

5. Lesen macht sozialer

Lesen macht einsam? Im Gegenteil: Auch jenseits von Lesezirkeln und Buchclubs bringt Lesen oft Gleichgesinnte zusammen, regt zur Diskussion an und trägt damit zur fokussierten Interaktion bei. Das hilft besonders jenen, die sonst eher schüchtern im Umgang mit ihren Mitmenschen sind.

 

6. Höhere Intelligenz – kristallisiert, fluide & emotional

Intelligenz spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab. Kristallisierte Intelligenz umschließt gelerntes, statisches Faktenwissen, fluide Intelligenz beschreibt unter anderem die Problemlösungskompetenz – und emotionale Intelligenz, gemessen mit den EQ, misst sich an der Fähigkeit, das Verhalten anderer Menschen nachvollziehen und entsprechend reagieren zu können. Alle drei Arten der Intelligenz werden vom Lesen gleichermaßen gefördert.

* https://n.neurology.org/content/81/4/314


Veröffentlicht am 17. März 2021 um 12:00 Uhr

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