Papier vs. digital: ergänzen statt verdrängen

Ist Papier heute oft nur noch zweite Wahl, da E-Mails, Messengerdienste und digitale Präsentationen die Umwelt doch vermeintlich viel effizienter schützen?

Doch – anders als vielfach angenommen – „digital“ ist leider keineswegs automatisch gleichzusetzen mit „umweltneutral“. Schon heute ist die IKT- (Informations- und Telekommunikationstechnik-) Industrie für bis zu drei Prozent der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich. Bis 2040 könnte der Anteil auf ganze 14 Prozent steigen – deutlich höher als derjenige der Landwirtschaft (9 Prozent). Auch Elektroschrott belastet die Umwelt: Allein für die 2016 entsorgten Mobiltelefone hätte das Volumen des Empire State Building nicht ausgereicht.

Dabei steht Papier gar nicht so schlecht da: Es ist nachweislich ein erneuerbares, umweltgerechtes Produkt. Der Hauptrohstoff Holz wird kontrolliert und nachhaltig angebaut und geerntet, sodass die Waldflächen, aus denen der Rohstoff stammt, nicht schrumpfen, sondern wachsen – jedenfalls in Europa, wo der Großteil an Holz für Papierprodukte von International Paper angebaut wird. In nur zehn Jahren sind die Wälder hier in etwa um die Fläche der Schweiz gewachsen.

Doch geht es nicht nur um die Umwelt allein, so wichtig dieser Aspekt auch ist. Papier hat in sozialer Hinsicht ebenfalls eine Funktion, die nicht unterschätzt werden sollte. Viele Menschen – auch und gerade Ältere oder sozial Schwächere – verlassen sich auch 2021 noch auf den klassischen papierbasierten Schriftverkehr mit Behörden und Unternehmen. Wichtig ist, dass diese Menschen auch dann handlungsfähig bleiben müssen, wenn zuhause weder Laptop noch Internetanschluss existieren.

Eine Two Sides-Umfrage von 2017 hatte gezeigt, dass die Menschen bei Büchern und Zeitschriften mehrheitlich Papier bevorzugten. Viele waren zudem überzeugt, dass Gedrucktes besser im Gedächtnis bleibt – und das klassische Lesen zudem mehr Spaß mache. Sogar gedruckte Werbung fand hier bei nicht wenigen Befragten mehr Beachtung als digitale.   

Der digitale Wandel ist sinnvoll und natürlich nicht aufzuhalten. Dennoch können sich Print und Pixel Idealerweise ergänzen – in manchen Bereichen hat Papier dabei sogar die besseren Karten. Wichtig ist, dass es umweltgerecht und den Bedürfnissen der Menschen entsprechend produziert wird.          


Veröffentlicht am 21.Januar 2021 um 12:00 Uhr

Weitere Artikel