IP: warum Papierproduktion und Umwelt keine Gegensätze sind - der Faktencheck

Vieles ist das Papier wert, auf dem es steht – vieles aber nicht. Das gilt auch und vor allem für das Papier selbst. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum ersten taugt der Spruch recht wenig, wenn es um die Wertschätzung des Papiers an und für sich geht. Es ist viel wertvoller als manche denken – denn wo sonst sollten die umstrittenen Inhalte wohl stehen? Ohne Papier könnte sie niemand lesen und auch nicht diskutieren. Das gilt sogar für das digitale Zeitalter, wenn der Akku mal leer ist oder der Strom ausfällt.

Zum zweiten gibt es viele Vorurteile und „einfache Wahrheiten“, deren Gehalt sich beim genauen Hinsehen als schwer haltbar erweist. Sie sind tatsächlich nicht wert, über die Maßen ernst genommen zu werden. Das gilt zum Beispiel für die Frage, wie vertretbar der Einsatz von Papier als Kommunikationsmedium heute (noch) ist. An ebenso populären wie einfachen Thesen mangelt es nicht. Ein Beispiel: Die europäischen Wälder schrumpfen auch deshalb, weil sie für die Gewinnung von Holzfasen, so genannten „Frischfasern“, für die Papierherstellung ausgebeutet werden. Nachgewiesener Fakt indes ist: Weder schrumpfen die Wälder (sie wuchsen zwischen 2005 und 2015 sogar jährlich um die Fläche von rund 1.500 Fußballfelder), noch werden sie geplündert. Im Gegenteil: Die Frischfasern werden benötigt, um den Papierkreislauf mit hoher Recyclingquote überhaupt funktionsfähig halten zu können. Recycelte Fasern können höchstens sieben Mal wiederverwendet werden, zudem kann nicht jedes Papier in den Kreislauf zurückgegeben werden – wie zum Beispiel Toilettenpapier.

Für die Frischfasern gilt natürlich: Auf die Nachhaltigkeit kommt es an. Das bedeutet, die nachhaltige Forstwirtschaft ist der beste Schutz vor Raubbau an den Ressourcen. Und eine der Voraussetzungen für eine nachhaltige Waldwirtshaft ist ein stabiler Markt für Holzfasen, denn er gibt den Forstwirten Planungssicherheit.

Hier schließt sich der Kreis – und noch ein weiterer Aspekt sollte beachtet werden: Als Kommunikationsmedium ist Papier nach wie vor kaum zu ersetzen. Andere (elektronische) Medien haben es ergänzt, aber in vielen Bereichen gibt es einfach keine Alternative mit einem vergleichbaren Leistungsspektrum.


Veröffentlicht am 23. Januar 2020 um 12:00 Uhr

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