Papier macht Schule: Gedrucktes bleibt länger im Gedächtnis haften als Digitales

Die digitale Transformation ändert alles – die Art, wie wir arbeiten, einkaufen, kommunizieren und lernen. Gerade in der Schule ersetzen Bildschirme die traditionellen Bücher und Hefte. Wer sich an noch viel früher erinnert, kennt vielleicht noch Schiefertafel und Griffel...und freut sich, dass damit länger schon niemand mehr seine Aufgaben erledigen muss. Nicht anders ist es heute – das Bessere und Zeitgemäße ersetzt das Gute und Bewährte. Oder?

Die Antwort lautet: keineswegs! Natürlich muss sich die Schule um moderne Konzepte und Methoden bemühen, natürlich muss sie sich darüber im Klaren sein, dass die Lebenswelt ihrer Klientel längst „durchdigitalisiert“ ist. Will sie aber ihrer Aufgabe und damit den Schülerinnen und Schülern gerecht werden, sollte sie besser nicht auf ausschließlich auf Whiteboard, Tablet & Co. setzen.

Der Grund ist so einfach wie einleuchtend – wenn für den einen oder anderen vielleicht auch überraschend: Eine groß angelegte Metastudie aus insgesamt 54 Einzelstudien mit 170.000 Teilnehmern aus 19 Ländern hat zweifelsfrei festgestellt, dass auf Papier gedruckte Texte nicht nur besser les- und erinnerbar sind, sondern auch das Lernen viel wirksamer unterstützen. Wer auf den Monitor schaut und scrollt, begreift weniger und vergisst schneller, so der Tenor der Forscher.

Die Zahlen, die zu den Erkenntnissen der Studie präsentiert wurden, sprechen eine klare Sprache: Probanden konnten sich an deutlich weniger Inhalte vom Screen erinnern – im Vergleich zu entsprechendem gedrucktem Content nur etwa ein Drittel. Bei einem hohen Anteil digital vermittelter Stoffe lag der Lesefortschritt um ebenfalls rund ein Drittel niedriger.

Aufschlussreich an dieser Stelle ist die Korrelation mit einer anderen Tatsache: Laut Untersuchungen der Two Sides Initiative, in der auch International Paper Mitglied ist, bevorzugen die Verbraucher auch im 21. Jahrhundert die Lektüre von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ganz klar in gedruckter Form.

Was folgt aus dieser Erkenntnis: Für das menschliche Gehirn ist bedrucktes Papier zweifelsohne das angenehmere und nachhaltigere Medium. Es sorgt für höhere Konzentration, macht das Gelesene bildhafter und bringt es tatsächlich besser „auf den Punkt“ – ganz unabhängig von Formulierung und Textinhalt.

Gerade im Hinblick auf Schülerinnen und Schüler sollte diese Erkenntnis entsprechende Konsequenzen haben. Werden Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer in einer Welt schneller digitaler Ablenkungen an vielen Stellen täglich auf eine harte Probe gestellt, so besteht kein Anlass, auch Kinder dieser Zusatzbelastung auszusetzen. So sinnvoll digitale Unterrichtselemente auch sind: Beim Erwerb von Lesefähigkeit und Textkompetenz wirken sie kontraproduktiv – erwiesenermaßen.

Papier, zumal nachhaltig produziertes, bleibt wichtig und sogar unverzichtbar. Kein Grund, verschwenderisch damit umzugehen – aber ohne geht es eben auch nicht.      


Veröffentlicht am 28. November 2019 um 12:00 Uhr

Weitere Artikel